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    Home » Zikaden Krankheit Kartoffeln : Symptome und Schutz
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    Zikaden Krankheit Kartoffeln : Symptome und Schutz

    ZentmagazineBy ZentmagazineJuly 22, 2026No Comments13 Mins Read
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    zikaden krankheit kartoffeln
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    Die Zikaden Krankheit Kartoffeln kann Pflanzen schwächen, Knollen gummiartig werden lassen und erhebliche Qualitätsverluste verursachen. Dabei richtet nicht allein das kleine Insekt den Schaden an. Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt beim Saugen Erreger, die in die Leitbahnen der Kartoffelpflanze gelangen.

    Betroffene Knollen bleiben möglicherweise klein, werden weich oder schrumpfen während der Lagerung. Außerdem kann sich ihre Zusammensetzung verändern. Dadurch eignen sie sich teilweise nicht mehr für die Herstellung von Pommes frites, Chips oder anderen Kartoffelprodukten.

    Für Verbraucher besteht nach bisherigem Kenntnisstand jedoch kein Grund zur Panik: Die übertragenen Pflanzenerreger gelten nicht als gesundheitsschädlich für Menschen. Befallene Kartoffeln sind in der Regel verzehrbar, sofern sie nicht verfault, verschimmelt, stark grün oder anderweitig verdorben sind.

    Das Wichtigste in Kürze

    FrageAntwort
    Welche Zikade ist verantwortlich?Vor allem die Schilf-Glasflügelzikade
    Wissenschaftlicher NamePentastiridius leporinus
    Welche Erreger werden übertragen?Candidatus Phytoplasma solani und Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus
    Typische SymptomeWelke, Blattverfärbungen, kleine Knollen, Gummiknollen und Schrumpfung
    Sind befallene Kartoffeln giftig?Nach bisherigem Kenntnisstand nein
    Kann eine infizierte Pflanze geheilt werden?Nein
    Was hilft vorbeugend?Monitoring, angepasste Fruchtfolge, frühe Ernte und tolerantere Sorten
    Reichen Insektizide aus?Nein, nötig ist eine kulturübergreifende Strategie

    Was ist die Zikaden Krankheit Kartoffeln?

    „Zikaden-Krankheit“ ist kein eindeutiger wissenschaftlicher Krankheitsname. Der Ausdruck wird meist als Sammelbegriff für Krankheitsbilder verwendet, die entstehen, wenn Zikaden bestimmte Mikroorganismen auf Kartoffelpflanzen übertragen.

    Bei Kartoffeln werden entsprechende Schäden unter anderem als Stolbur oder bakterielle Kartoffelknollenwelke beschrieben. Dabei kann ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Erreger vorliegen.

    Besonders relevant sind:

    • Candidatus Phytoplasma solani, kurz PHYPSO
    • Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus, kurz ARSEPH

    Phytoplasmen sind zellwandlose Bakterien, die in den Leitbahnen einer Pflanze leben. Candidatus Phytoplasma solani ist mit dem Stolbur-Krankheitsbild verbunden. Auch Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus kann den Stoffwechsel und die Entwicklung der Kulturpflanzen beeinträchtigen.

    Die Schilf-Glasflügelzikade kann beide Erreger aufnehmen und beim späteren Saugen auf weitere Pflanzen übertragen. Das Julius Kühn-Institut, kurz JKI, bezeichnet sie deshalb als Vektorinsekt.

    Welche Zikade befällt Kartoffeln?

    Im Mittelpunkt steht die Schilf-Glasflügelzikade mit dem wissenschaftlichen Namen Pentastiridius leporinus. Das erwachsene Insekt ist weniger als einen Zentimeter lang und besitzt weitgehend durchsichtige Flügel.

    Die Zikade war zunächst vor allem als Überträger der Zuckerrübenkrankheit SBR bekannt. SBR steht für „Syndrome Basses Richesses“. Inzwischen hat sich das Insekt jedoch an weitere landwirtschaftliche Kulturen angepasst.

    Nach Angaben des JKI vollzog die Schilf-Glasflügelzikade im Jahr 2022 nachweislich einen Wirtswechsel auf Kartoffeln. Sie kann ihren vollständigen Entwicklungszyklus inzwischen sowohl an Zuckerrüben als auch an Kartoffeln durchlaufen.

    Ist die Schilf-Glasflügelzikade eine invasive Art?

    Ältere Berichte bezeichnen das Insekt teilweise als eingewanderte oder invasive Art. Diese Darstellung ist zu pauschal.

    Das Bundeslandwirtschaftsministerium beschreibt die Schilf-Glasflügelzikade als heimisches Insekt, das sich stark ausgebreitet und an neue Wirtspflanzen angepasst hat. Treffender ist daher die Beschreibung als heimische Art mit verändertem Wirtskreis und zunehmender landwirtschaftlicher Bedeutung.

    Nicht mit der Winden-Glasflügelzikade verwechseln

    Neben Pentastiridius leporinus kann auch die Winden-Glasflügelzikade, Hyalesthes obsoletus, Stolbur-Erreger übertragen.

    Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Zikadenarten. In der aktuellen Diskussion über den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau steht vor allem die Schilf-Glasflügelzikade im Mittelpunkt.

    Wie überträgt die Zikade die Kartoffelkrankheit?

    Die Übertragung erfolgt beim Saugen an den Leitbahnen der Pflanzen.

    Der Ablauf lässt sich vereinfacht so erklären:

    1. Eine Zikade saugt an einer infizierten Pflanze.
    2. Dabei nimmt sie den Krankheitserreger auf.
    3. Der Erreger gelangt in den Körper des Insekts.
    4. Die Zikade fliegt später zu einer gesunden Pflanze.
    5. Beim erneuten Saugen überträgt sie den Erreger.
    6. Der Erreger breitet sich im Leitgewebe der Kartoffelpflanze aus.

    Die Zikade schädigt die Pflanzen somit nicht hauptsächlich durch den Entzug von Pflanzensaft. Das größere Problem ist ihre Funktion als Überträger.

    Eine hohe Zahl sichtbarer Zikaden bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede Pflanze infiziert ist. Umgekehrt können selbst niedrige Fangzahlen mit einem deutlichen Erregernachweis im Bestand einhergehen. Deshalb reichen Klebetafeln allein nicht aus, um das tatsächliche Krankheitsrisiko zuverlässig zu beurteilen.

    Lebenszyklus der Schilf-Glasflügelzikade

    Der Lebenszyklus erklärt, warum sich der Schädling nicht einfach durch eine einzelne Behandlung beseitigen lässt.

    1. Flug der erwachsenen Tiere

    Die erwachsenen Zikaden verlassen den Boden und fliegen auf geeignete Kulturpflanzen. Dort saugen sie Pflanzensaft und können Krankheitserreger weitergeben.

    Flugbeginn und Flugstärke hängen unter anderem von Region, Temperatur und Witterungsverlauf ab.

    2. Eiablage im Boden

    Die weiblichen Tiere legen ihre Eier in Bodennähe beziehungsweise in den Boden an geeigneten Wirtspflanzen ab.

    3. Unterirdische Entwicklung

    Aus den Eiern schlüpfen Nymphen. Diese Jugendstadien leben unter der Erde und saugen an Pflanzenwurzeln.

    Nach der Ernte von Kartoffeln oder Zuckerrüben können sie unter bestimmten Bedingungen an den Wurzeln einer Folgekultur weiterleben. Besonders problematisch können Fruchtfolgen sein, die der Zikade über einen langen Zeitraum geeignete Nahrung bieten.

    4. Erneuter Schlupf

    Nach der weiteren Entwicklung verlassen erwachsene Zikaden den Boden und suchen neue Kartoffel-, Rüben- oder Gemüseflächen auf.

    Damit erstreckt sich das Problem über mehrere Kulturen und Anbaujahre. Das JKI empfiehlt deshalb langfristige, regional abgestimmte Maßnahmen über die gesamte Fruchtfolge hinweg.

    Zikaden-Krankheit bei Kartoffeln: typische Symptome

    Die Symptome hängen von mehreren Faktoren ab:

    • Kartoffelsorte
    • beteiligter Erreger
    • Zeitpunkt der Infektion
    • Stärke des Befalls
    • Wasserversorgung
    • Temperaturen
    • Lagerdauer der Knollen

    Ein einzelnes Merkmal beweist daher noch keine Infektion.

    Symptome an Blättern und Trieben

    An den oberirdischen Pflanzenteilen können unter anderem folgende Veränderungen auftreten:

    • eingerollte Blätter
    • gelbliche oder rötliche Verfärbungen
    • gehemmtes Wachstum
    • schlaff herabhängende Pflanzenteile
    • vorzeitige Welke
    • vorzeitiges Absterben des Krauts

    Diese Anzeichen können ebenfalls durch Trockenstress, Nährstoffmangel, Wurzelschäden oder andere Kartoffelkrankheiten entstehen.

    Symptome an den Knollen

    Besonders auffällig sind Veränderungen an den Kartoffelknollen:

    • kleine oder ungleichmäßig entwickelte Knollen
    • weiche Konsistenz
    • gummiartige beziehungsweise elastische Knollen
    • schrumpelige Oberfläche
    • verringerte Lagerfähigkeit
    • verstärkte Fäulnis
    • veränderte Stärke- und Zuckerwerte
    • Qualitätsprobleme beim Frittieren

    Die Kombination aus eingerollten beziehungsweise verfärbten Blättern und schrumpeligen, gummiartigen Knollen wird häufig mit zikadenübertragenen Erregern in Verbindung gebracht.

    Was sind Gummiknollen?

    Als Gummiknollen werden Kartoffeln bezeichnet, die ihre normale Festigkeit verloren haben. Beim Drücken fühlen sie sich weich oder elastisch an.

    Manche Knollen zeigen diese Veränderung bereits bei der Ernte. Andere wirken zunächst weitgehend normal und schrumpfen erst während der Lagerung.

    Gummiknollen sind allerdings kein eindeutiger Beweis für Zikadenbefall. Auch andere Welkeerkrankungen, Wassermangel oder Lagerprobleme können vergleichbare Veränderungen verursachen.

    Zikadenbefall oder andere Ursache?

    Diese Übersicht hilft bei einer ersten Einordnung. Sie ersetzt keine Laboruntersuchung.

    BeobachtungZikadenübertragene KrankheitTrockenstressLagerfäule
    Eingerollte Blättermöglichebenfalls möglichnein
    Rötliche oder gelbe Blättermöglichmöglichnein
    Welke trotz Bodenfeuchtigkeitverdächtigweniger typischnein
    Kleine Knollenhäufig möglichhäufig möglichnein
    Gummiartige Konsistenzmöglichebenfalls möglichteilweise
    Schrumpfung im Lagermöglichmöglichmöglich
    Fauliger Geruchnicht typisch als Erstsymptomneintypisch
    Schimmelbelagneinneinhäufig möglich
    Sicherer Nachweisnur im Laborüber StandortanalyseUntersuchung der Knolle

    Wie wird eine Infektion sicher festgestellt?

    Eine zuverlässige Diagnose ist allein anhand des Aussehens kaum möglich. Fachlabore können Pflanzen- oder Knollenproben auf das Erbgut der beteiligten Erreger untersuchen.

    Für landwirtschaftliche Betriebe sind bei einem Verdacht folgende Stellen geeignet:

    • zuständiger Pflanzenschutzdienst
    • Landwirtschaftskammer
    • Landesanstalt für Landwirtschaft
    • spezialisierte Pflanzenlabore
    • Beratungsdienst für Kartoffelbau
    • Erzeugergemeinschaft oder Anbauverband

    Hobbygärtner sollten zunächst ausschließen, dass Trockenheit, Staunässe, Fäulnis oder ein Pflegefehler die Symptome verursacht haben.

    Wie stark ist die Krankheit in Deutschland verbreitet?

    Die Schilf-Glasflügelzikade trat zunächst besonders in süd- und südwestdeutschen Anbaugebieten auf. Inzwischen hat sie sich weiter in Richtung Norden und Osten ausgebreitet.

    Nach den Ergebnissen des bundesweiten JKI-Monitorings lagen Ende 2025 rund 119.000 Hektar Zuckerrübenfläche und knapp 40.000 Hektar Kartoffelanbaufläche innerhalb des bekannten Verbreitungsgebiets.

    Diese Zahlen bedeuten nicht, dass jede Pflanze auf diesen Flächen infiziert war. Sie beschreiben die Anbaufläche innerhalb der Regionen, in denen die Zikade verbreitet ist.

    Zu den betroffenen oder intensiv beobachteten Bundesländern gehören unter anderem:

    • Baden-Württemberg
    • Rheinland-Pfalz
    • Hessen
    • Bayern
    • Thüringen
    • Sachsen-Anhalt
    • weitere angrenzende Regionen

    Da sich das Verbreitungsgebiet verändern kann, sind regionale Warndienste zuverlässiger als ältere allgemeine Karten.

    Wie hoch können die Ernteverluste sein?

    Das Schadensausmaß unterscheidet sich stark von Feld zu Feld. Entscheidend sind unter anderem der Infektionszeitpunkt, die Kartoffelsorte, der Erregerdruck und die Wetterbedingungen.

    Für 2024 wurde berichtet, dass insgesamt mehr als 100.000 Hektar Kartoffeln und Zuckerrüben betroffen waren. Auf einzelnen stark geschädigten Flächen wurden Verluste von bis zu 50 Prozent oder mehr genannt.

    Solche Werte sind jedoch Extrem- oder Regionalwerte. Sie dürfen nicht als durchschnittlicher Verlust für den gesamten deutschen Kartoffelanbau dargestellt werden.

    Mögliche wirtschaftliche Folgen sind:

    • geringere Knollenerträge
    • höherer Sortierverlust
    • weniger marktfähige Ware
    • Qualitätsabzüge
    • schlechtere Lagerfähigkeit
    • ungeeignete Rohware für Verarbeiter
    • höhere Kontroll- und Pflanzenschutzkosten
    • Einschränkungen bei der Pflanzguterzeugung

    Warum sind betroffene Kartoffeln problematisch für Pommes und Chips?

    Bei einer Infektion können sich Stärke- und Zuckergehalt der Knollen verändern.

    Enthalten Kartoffeln zu viel reduzierenden Zucker, bräunen sie beim Frittieren schneller und stärker. Pommes oder Chips können dadurch:

    • ungewöhnlich dunkel werden,
    • ungleichmäßig bräunen,
    • geschmackliche Mängel aufweisen,
    • industrielle Qualitätsanforderungen verfehlen.

    Gummiartige oder stark geschrumpfte Knollen lassen sich außerdem schlechter lagern, schälen und verarbeiten. Aktuelle Berichte aus betroffenen Regionen beschreiben Kartoffeln, die wegen veränderter Stärke- und Zuckerwerte für die Verarbeitung unbrauchbar werden können.

    Sind Kartoffeln mit Zikaden-Krankheit essbar?

    Die übertragenen Erreger sind an Pflanzen angepasst. Nach Angaben von Behörden und Fachleuten gibt es keine Hinweise darauf, dass Stolbur oder die damit verbundenen Erreger Menschen krank machen.

    Befallene Kartoffeln sind daher nicht automatisch giftig. Allerdings werden sichtbar geschädigte Knollen in der professionellen Sortierung häufig aussortiert oder anders verwertet.

    Kartoffeln sollten unabhängig von der Ursache nicht gegessen werden, wenn sie:

    • stark verfault sind,
    • deutlich verschimmelt sind,
    • schleimige Stellen besitzen,
    • unangenehm riechen,
    • stark grün geworden sind,
    • ungewöhnlich bitter schmecken.

    Grüne und bitter schmeckende Kartoffeln können erhöhte Mengen natürlicher Glykoalkaloide enthalten. Dieses Problem ist von der Zikaden-Krankheit zu unterscheiden.

    Kann man infizierte Kartoffelpflanzen heilen?

    Nein. Sind die Erreger bereits in die Leitbahnen gelangt, lässt sich die Pflanze nicht durch ein Hausmittel oder Pflanzenschutzmittel heilen.

    Die Bekämpfung verfolgt deshalb andere Ziele:

    • Zuflug erwachsener Zikaden reduzieren
    • weitere Erregerübertragungen begrenzen
    • Eiablage erschweren
    • Entwicklung der Nymphen unterbrechen
    • geeignete Wirtspflanzen in der Fruchtfolge vermeiden
    • weniger anfällige Sorten finden

    Eine vollständige Tilgung der Zikade und ihrer Erreger hält das JKI derzeit nicht für möglich. Realistisch ist eine Verringerung der Population und der wirtschaftlichen Schäden.

    Welche Maßnahmen helfen gegen die Zikaden-Krankheit?

    Eine einzelne Maßnahme reicht nicht aus. Benötigt wird ein integriertes Konzept, das Anbauplanung, Überwachung und gezielte Bekämpfung miteinander verbindet.

    Monitoring und regionale Warndienste

    Klebetafeln und weitere Fangmethoden zeigen, wann erwachsene Zikaden aktiv sind. Ergänzend werden Temperaturdaten, Feldkontrollen und Erregernachweise ausgewertet.

    Landwirte sollten sich deshalb an den Empfehlungen ihres regionalen Pflanzenschutzdienstes orientieren. Ein pauschaler Schwellenwert für alle Regionen existiert bisher nicht.

    Fruchtfolge anpassen

    Weil die Nymphen im Boden an Pflanzenwurzeln leben, besitzt die Folgekultur große Bedeutung.

    Ziel ist es, den Tieren nach der Kartoffel- oder Rübenernte keine geeignete Nahrungsquelle anzubieten. Welche Fruchtfolge sinnvoll ist, hängt von Region, Bodentyp und betrieblicher Ausrichtung ab.

    Deshalb sollte die Planung mit einer Fachberatung erfolgen. Eine ungeprüfte Änderung kann neue pflanzenbauliche oder wirtschaftliche Nachteile verursachen.

    Schwarzbrache

    In besonders belasteten Regionen wird untersucht, abgeerntete Kartoffel- oder Zuckerrübenflächen bis zum folgenden Frühjahr nicht erneut zu bepflanzen.

    Diese sogenannte Schwarzbrache soll den Nymphen die Nahrungsgrundlage entziehen. Das JKI bezeichnet sie derzeit als ein wichtiges Instrument zur Senkung der Zikadenpopulation. Gleichzeitig müssen Erosionsschutz, Bodengesundheit und rechtliche Vorgaben berücksichtigt werden.

    Frühe Ernte

    Früh reifende Kartoffelsorten können teilweise geerntet werden, bevor spätere Infektionen ihre volle Wirkung entfalten.

    Die Maßnahme eignet sich jedoch nicht für jeden Betrieb. Viele Verarbeitungsprodukte erfordern bestimmte Sorten, Stärkegehalte oder Erntezeitpunkte.

    Tolerantere Sorten

    Kartoffelsorten reagieren unterschiedlich auf Infektion und Erregerdruck. Daher untersuchen Forschungsprojekte, welche Sorten geringere Schäden entwickeln.

    Toleranz ist jedoch nicht mit Immunität gleichzusetzen. Auch eine tolerantere Sorte kann infiziert sein und Erreger weitertragen.

    Feldhygiene

    Ausfallkartoffeln und bestimmte Wirtspflanzen können den Entwicklungszyklus unterstützen. Deshalb können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

    • Ausfallkartoffeln kontrollieren
    • Erntereste fachgerecht behandeln
    • Wirtspflanzen im Bestand beobachten
    • befallene Partien getrennt lagern
    • verdächtige Knollen nicht als Pflanzgut verwenden

    Pflanzenschutzmittel

    Chemische Mittel dürfen ausschließlich entsprechend ihrer aktuellen Zulassung oder einer zeitlich begrenzten Notfallzulassung eingesetzt werden.

    Solche Genehmigungen können abhängig sein von:

    • Kultur
    • Region
    • Zeitraum
    • Wirkstoff
    • Entwicklungsstadium
    • Warndienstaufruf
    • Anwendungsauflagen
    • Schutzabständen und Bienenschutz

    Zulassungen ändern sich. Deshalb sollten keine Produktnamen oder Aufwandmengen aus älteren Onlineartikeln übernommen werden. Maßgeblich sind die aktuelle BVL-Datenbank und der zuständige Pflanzenschutzdienst.

    Warum Insektizide allein nicht genügen

    Ein erheblicher Teil des Lebenszyklus findet im Boden statt. Dort lebende Nymphen werden durch eine Behandlung der oberirdischen Pflanzen nicht zuverlässig erreicht.

    Zudem können erwachsene Zikaden:

    • aus Nachbarflächen zufliegen,
    • über einen längeren Zeitraum auftreten,
    • bereits vor der Behandlung Erreger übertragen,
    • nach einer Behandlung erneut einwandern.

    Daher fordert das JKI einen langfristigen und kulturübergreifenden Ansatz.

    Was können Hobbygärtner tun?

    Im Hausgarten ist ein größerer wirtschaftlicher Schaden weniger wahrscheinlich als im professionellen Kartoffelanbau. Dennoch können Zikaden und Pflanzenkrankheiten grundsätzlich auftreten.

    Sinnvolle Maßnahmen sind:

    1. Nur gesundes Pflanzgut verwenden.
    2. Kartoffeln nicht jedes Jahr am selben Platz anbauen.
    3. Pflanzen regelmäßig auf Welke und Verfärbungen kontrollieren.
    4. Ausfallkartoffeln aus dem Vorjahr entfernen.
    5. Auffällige Knollen getrennt lagern.
    6. Keine verdächtigen Knollen als Pflanzkartoffeln verwenden.
    7. Stark geschädigte Pflanzen nicht auf einen ungeeigneten offenen Kompost geben.
    8. Bei ungewöhnlich starkem Auftreten den örtlichen Pflanzenschutzdienst kontaktieren.

    Hobbygärtner sollten nicht vorsorglich Insektizide einsetzen. Viele Zikadenarten im Garten sind harmlos und müssen nicht bekämpft werden.

    Welche anderen Pflanzen können betroffen sein?

    Die Schilf-Glasflügelzikade ist vor allem im Zusammenhang mit Zuckerrüben und Kartoffeln bekannt. Der Erreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus wurde inzwischen jedoch auch in weiteren Kulturen nachgewiesen, darunter:

    • Zwiebeln
    • Rote Bete
    • Karotten

    Das bedeutet nicht automatisch, dass jede dieser Pflanzen ein gleich bedeutender Hauptwirt ist oder überall große wirtschaftliche Schäden auftreten.

    Fachleute unterscheiden zwischen:

    • Besuch einer Pflanze durch die Zikade
    • Übertragung eines Erregers
    • nachgewiesener Infektion
    • vollständiger Entwicklung des Insekts
    • wirtschaftlich relevantem Schaden

    Diese Unterschiede sollten in Garten- und Landwirtschaftsartikeln klar benannt werden.

    Führt die Zikaden-Krankheit zu höheren Kartoffelpreisen?

    Regionale Ernte- und Qualitätsverluste können das Angebot beeinflussen. Zusätzlich entstehen Kosten für Monitoring, Beratung, Sortierung, Pflanzenschutz und angepasste Fruchtfolgen.

    Dennoch lässt sich aus einem regionalen Befall keine bestimmte Preissteigerung ableiten. Kartoffelpreise hängen außerdem ab von:

    • gesamter Erntemenge
    • Wetterbedingungen
    • Lagerbeständen
    • Importen und Exporten
    • Nachfrage
    • Verarbeitungsqualität
    • langfristigen Lieferverträgen

    Selbst bei ernsten Schäden in einzelnen Regionen kann eine große Gesamternte den Preisdruck verringern. Prognosen sollten deshalb immer mit Datum und Quelle versehen werden.

    Verdacht auf Zikaden-Krankheit: Checkliste

    Bei einem möglichen Befall sollten Landwirte folgendermaßen vorgehen:

    1. Auffällige Pflanzen und Feldbereiche fotografieren.
    2. Symptome an Blättern und Knollen dokumentieren.
    3. Flug- und Warnmeldungen der Region prüfen.
    4. Pflanzenschutzberatung kontaktieren.
    5. Repräsentative Pflanzen- oder Knollenproben untersuchen lassen.
    6. Verdächtige Partien getrennt lagern.
    7. Lagerware regelmäßig auf Schrumpfung kontrollieren.
    8. Betroffene Knollen nicht als Pflanzgut nutzen.
    9. Fruchtfolge gemeinsam mit der Beratung bewerten.
    10. Nur aktuell zugelassene Mittel einsetzen.

    Mehr lesen: Anna Maria Mühe Geschwister: Halbgeschwister, Eltern und Familie im Überblick

    Häufige Fragen zur Zikaden-Krankheit bei Kartoffeln

    Was ist die Zikaden-Krankheit bei Kartoffeln?

    Der Begriff bezeichnet Krankheitsbilder, die durch von Zikaden übertragene Erreger entstehen. Dazu gehören insbesondere Stolbur und Schäden, die als bakterielle Kartoffelknollenwelke beschrieben werden.

    Welche Zikade überträgt die Krankheit?

    Der wichtigste Überträger ist die Schilf-Glasflügelzikade, Pentastiridius leporinus.

    Welche Symptome treten auf?

    Möglich sind eingerollte oder verfärbte Blätter, Welke, kleine Knollen, eine gummiartige Konsistenz und Schrumpfung während der Lagerung.

    Sind Gummiknollen immer durch Zikaden verursacht?

    Nein. Trockenstress, andere Welkeerkrankungen und Lagerprobleme können ähnliche Symptome auslösen.

    Sind befallene Kartoffeln giftig?

    Nach bisherigem Kenntnisstand sind die übertragenen Pflanzenerreger für Menschen ungefährlich. Verdorbene, verschimmelte, stark grüne oder bitter schmeckende Kartoffeln sollten dennoch nicht gegessen werden.

    Kann man infizierte Kartoffelpflanzen heilen?

    Nein. Maßnahmen können lediglich weitere Übertragungen verhindern und die Zikadenpopulation verringern.

    Hilft ein Insektizid?

    Ein zugelassenes Mittel kann erwachsene Zikaden reduzieren. Es erreicht jedoch nicht automatisch die unterirdisch lebenden Nymphen und heilt keine infizierten Pflanzen.

    Können Hobbygärtner betroffen sein?

    Grundsätzlich ja. Größere Schäden treten bisher jedoch vor allem in landwirtschaftlichen Anbaugebieten mit hohen Zikadenpopulationen auf.

    Welche anderen Pflanzen sind gefährdet?

    Neben Kartoffeln und Zuckerrüben wurden die übertragenen Erreger unter anderem in Zwiebeln, Roter Bete und Karotten nachgewiesen. Die wirtschaftliche Bedeutung ist je nach Kultur und Region unterschiedlich.

    Wird die deutsche Kartoffelernte ausfallen?

    Nein. Das Problem ist ernst und breitet sich aus, betrifft aber nicht jedes Feld und nicht jede Region gleichermaßen. Aussagen über einen vollständigen Ausfall der deutschen Kartoffelernte wären unbelegt.

    Fazit

    Die Zikaden-Krankheit bei Kartoffeln ist kein einzelnes, einfach zu behandelndes Krankheitsbild. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Schilf-Glasflügelzikade, übertragenen Erregern, Kartoffelsorte, Infektionszeitpunkt und Umweltbedingungen.

    Typische Hinweise sind welkende oder verfärbte Pflanzen sowie kleine, weiche und schrumpelige Knollen. Gummiknollen allein beweisen jedoch keinen Zikadenbefall. Für eine sichere Diagnose ist eine Laboruntersuchung notwendig.

    Bereits infizierte Pflanzen lassen sich nicht heilen. Daher konzentrieren sich Schutzmaßnahmen auf Monitoring, Fruchtfolge, Feldhygiene, frühere Ernte, tolerantere Sorten und regional zugelassene Pflanzenschutzmaßnahmen.

    Für Verbraucher sind die übertragenen Pflanzenerreger nach bisherigem Kenntnisstand ungefährlich. Das Problem betrifft vor allem Ertrag, Lagerfähigkeit und Verarbeitungsqualität.

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